Vor eineinhalb Jahren habe ich für Bauerfeind diesen Bericht von meiner Reise zur Fußballeuropameisterschaft in der Ukraine produziert. Nach all dem, was in den deutschen Medien Negatives (vor Allem im Zusammenhang mit dem Gesundheitszustand Julija Tymoschenkos) über die Ukraine berichtet worden war, waren wir selber mehr als überrascht, welch positiven Eindruck das Land auch weit abseits der Stadien auf uns machte. Dass es sich bei den Pro-Tymoschenko-Protestcamp nahes des Maidans lediglich um eine für die Zeit des Fußballwettbewerbs geduldete Protestaktion gehandelt haben dürfte, war uns schon damals klar. Dass an gleicher Stelle 18 Monate später Barrikaden brennen und Menschen sterben würden, nicht. Leider hat sich die Art und Weise, wie über die Menschen und die politischen Lager in der Ukraine derzeit berichtet wird, nicht weiter verändert. Sie ist immer noch sehr schwarz-weiß gefärbt: Auf der einen Seite stehen die unterdrückten, freiheitsliebenden, von einem Boxweltmeister angeführten Protestler auf dem Maidan. Ihnen gegenüber stehen brutale Polizisten und passiv herangekarrte Janukowitsch-Anhänger aus dem östlichen Hinterland. So schlimm die Situation in Kiew derzeit sein mag. Es ist nur schwer vorstellbar, dass dieses Bild der ukrainischen Gesamtsituation gerecht wird. Möglicherweise ist es an der Zeit für eine zweite - weniger fußballbetonte - Reise nach Kiew.

He, he, he! Ich mach ein bisschen Blödsinn und schon kommt es im Fernsehen.

Homer Simpson in “Hello, Mr. President”